Die Kunst ist eine Lüge

Was uns vom Ensemble bewegt, immer weiter Theater zumachen, ist eine große Frage, auf die es keine kleine Antwort gibt.

Es beruht auf der in uns allen drängenden Notwendigkeit, uns mitzuteilen, die zurück geht in eine Zeit, bevor es das geschrieben Wort gab, vielleicht sogar in eine Zeit, bevor es das gesprochene Wort, also eine gemeinsame Sprache gab. Wir haben das, was wir unbedingt sagen und den anderen mitteilen wollten, den anderen vorgespielt. Mit Gesten und Gesichtsausdrücken, die unsere Mitmenschen kannten und erkannten. Auch lang darüber hinaus in der Zeit, als es schon längst Sprache und auch das geschriebene Wort gab, war die Übermittlung von Nachrichten, Geschichten, Traditionen und Erfahrungen leichter, wenn man sie mit dem ganzen Körper unterstützte, sie quasi inszenierte.

„Wir wissen alle, daß Kunst nicht Wahrheit ist. Kunst ist eine Lüge, die uns die Wahrheit begreifen lehrt, wenigstens die Wahrheit, die wir als Menschen begreifen können. Der Künstler muß wissen, auf welche Art er die anderen von der Wahrhaftigkeit seiner Lügen überzeugen kann.“

  – Pablo Picasso 1923