Wie in einem Stummfilm bleiben die acht Darsteller während des Stumm-Stückes komplett wortlos und sind im Ausdruck und der Impulsarbeit auf ihren Körper- und Gesichtsausdruck angewiesen. Um den Effekt eines Stummfilmes zu verstärken, wurde mit Text-Einblendungen gearbeitet, die das Geschehen hier und da zusätzlich erklärten.

Das Spiel wird über die gesamte Spieldauer von klassischer Live-Musik des eigens dafür gegründeten „Trio Morendo“ begleitet, umarmt und verstärkt (Klavier, Oboe und Cello – professionelle Musiker und Dozenten an der Musikschule Südschwarzwald). Die klassischen Musikstücke wurden vom musikalischen Leiter Joachim Borgmann ausgewählt und in Zusammenarbeit mit dem Regisseur detailliert auf die Szenen, deren Tenor und Länge abgestimmt. Um dem Zuschauer die Bedeutung der Musik als wesentliches Element eines Stumm-Stückes näherzubringen, haben wir die einzelnen Verse (s.u.) stets im nahezu völligen Black von konzertant gespielten Musiksequenzen umarmen lassen.

Das besonders Prekäre für die Darsteller war, nicht ins Pantomimische abzudriften und nicht clownesk zu werden. Spezielle Übungen und Einzel- sowie Gruppenarbeiten führten das Team zu einem gemeinsamen, spielerischen Ausdruck. Hier wurde besonders auf die Blickführung des Zuschauers geachtet sowie die klare Szenenführung, wer wann wie den Fokus auf sich ziehen kann und darf, und wie sehr das stören kann, wenn es misslingt. Damit das Ganze nun nicht stark choreographiert wirkt und die Spieler größtmögliche Freiheit in der Entwicklung ihrer Figuren haben, war einiges an Übung und ein hohes Maß an Können erforderlich. In enger Zusammenarbeit mit den Schauspielern gelang es hier, jeder Figur das nötige Quäntchen Souveränität und Präsenz zu geben. Der TOD sollte möglichst unaffektiert und „organisch“ spielen, sich also der „Stumm-Stück-Methode“ entziehen, was ihm hier eine ebenso liebenswerte und hinsichtlich der „Dorfgemeinschaft“ eigenartige Erscheinung ermöglichte. SIE sollte mit tänzerischen Bewegungen das Besondere ihrer Figur bedeuten. Den Nebenrollen war es vergönnt, bisweilen „großes Spiel“ zu bieten. Ziel war es, innerhalb der fünf Verse (nach Fritz Lang) vom ersten bis dritten Vers das Spiel stets natürlicher werden zu lassen, so dass die Zuschauer gefangen werden könne von den Figuren und der Geschichte.

Der vierte Vers hier bricht komplett komplett mit dem bisherigen Modus: volles, grell kaltes Licht, abruptes Musik Ende. Nun sind Geräusche das Dominierende. Auch der Zuschauer hört sich, seine Nachbarn, das Blasen des Beamer Lüfters, das Surren des Kühlschrankes im Foyer, die Schritte und Kostüme der beiden Darsteller der Szene (SIE und der TOD) sowie: deren Stimmen! Eine kleine Dialogszene mit kratzigen, unaufgewärmten Stimmen in einem holprigen Gespräch. Warum? Dramaturgisch war es für uns wichtig, die Ausweglosigkeit der Figuren zu portieren. Der TOD wie auch SIE sind an einem Punkt angekommen, an dem sie beide nicht weiterkommen und schmerzhaft die kalte Realität der Tatsachen akzeptieren müssen: SIE kann ihren toten Verlobten nicht wieder bekommen und auch der TOD kann nicht helfen, auch nur einen einzige vorbestimmten Tod zu verhindern – er bleibt einsam und sie hilflos. Um dieses Gefühl des Schmerzes, der Ausweglosigkeit und der absoluten unangenehmen Realität direkt auf und in die Zuschauer zu bringen war es nötig, sie aus der wohlig angenehmen „Sofa-Situation“ des passiven Zuschauens herauszureissen. Jeder empfindet diese Unterbrechung als störend, unnötig und unangenehm. Am liebsten würden wir alle diese Stelle schnell hinter uns bringen und vergessen – so wie wir es immer mit unangenehmen Situationen und Wahrheiten halten. Genau dies zu verdeutlichen und spürbar zu machen ist dieser vierte Vers mit seinem absoluten Stilbruch (innerhalb der gegebenen Theatermittel) unabdingbar und wesentlicher Bestandteil des Konzeptes.

Im fünften und letzten Vers geht es nun wieder genauso Stumm-Stück-mäßig weiter und schliesst an den ersten Vers an.