Wir lernen die Protagonisten von «Der müde Tod» im Schankraum der örtlichen Wirtschaft kennen. Die WIRTIN fliegt von einem Gast zum anderen. Dort sitzen die jungen und glücklich verlorbten ER und SIE, wir sehen den alten TRINKER, die junge MUTTER mit ihrem Baby im Arm und dem VATER an ihrer Seite sowie den kränklichen APOTHEKER. Nur der geheimnisvolle Fremden am Tisch weist uns unbewegt den Rücken; es ist der  TOD. Die Runde feiert fröhlich, bis unerwartet der TRINKER, vom TOD gerufen, stirbt. SO kehrt sich Feier in Trauer – doch gehört Sterben für unser Dorf ganz natürlich zum Leben dazu und so bedienen sie sich der erprobten Rituale des Trauerns und der Vergänglichkeit.
So lernen wir den TOD und seine unerquickliche Tätigkeit kennen. Wir erfahren, wie überdrüssig er dieser Arbeit ist und dennoch bleibt ihm keine Wahl – er muss seinem Tagewerk nachkommen. Stets anwesend ist der Tod einer von uns, aber doch nie für uns als solcher zu erkennen. Erst wenn er dich meint, wirst du ihn gewahr.

Das junge Paar hingegen ist glücklich verliebt, ER macht ihr einen Heiratsantrag, den SIE freudestrahlend annimmt und so erwartet die beiden ein pralles Leben voller Glück. Doch der Tod kommt unersehnt und reisst ihr den Liebsten mitten aus dem Leben, zerstört ihr junges Glück. Ungläubig, unglücklich, wütend und voller Drang, die Dinge doch noch zum Guten zu wenden, bedrängt SIE den TOD, ihr den Geliebten zurückzugeben. Doch der TOD kann ihr nur einen einzigen möglichen Weg aufzeigen: «Ein Leben für einen Tod».

Er zeigt ihr drei Leben, die gemäß seiner Liste bald zu Ende sein werden. Wenn es ihr nun gelänge, eines dieser drei Leben vor dem unausweichlichen Tod zu bewahren, so soll ER das gerettete Leben erhalten und sie ihren Bräutigam zurück bekommen – der ohnedies zum Tode vorbestimmte aber den Tod des Geliebten bekommen. Sie willigt beglückt und selbstsicher ein.

Zunächst versucht sie, den KAUFMANN, der des nächtens seinen Tagesgewinn nach Hause trägt, vor dem Raubmord durch den STROLCH zu bewahren. Doch in dem SIE auf den KAUFMANN zuspringt ihn zu warnen, erschrickt dieser und stolpert rückwärts in das gezogene Messer des STROCHLES, der sich dann dessen ungeachtet die Schätze des Toten rafft und flieht. Der Zweite ist nun der STROLCH selbst, den der TOD ihr zu retten anbietet. Dieser wird für seine Tat vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt. SIE erläutert vor Gericht, dass es eher ein Unfall war und eigentlich SIE selbst irgendwie die Schuld trüge. Nachdem das Volk nun SIE beschuldigt und hängen will, lässt sie das Richterurteil gegen den STROLCH geschehen. Der letzte der drei, den sie retten könnte, ist eben dieser RICHTER, der einsam geplagt von seinem schwachen Herz und den Geistern der Verurteilten die Nacht fürchtet. Doch auch ihn zu retten vermag sie nicht und er erliegt letztendlich seinem schwachen Herzen. Verzweifelt wendet SIE sich ein letztes Mal an den TOD, ihr zu helfen. Doch dieser stellt klar, dass er selbst nur Diener ist, nicht Herr und nicht helfen kann.

Als nun in völliger Ausweglosigkeit das Wirtshaus in Flammen aufgeht, rettet sie selbstlos das dort eingeschlossene Kind und gibt dem TOD ihr Leben für das Leben des Kindes. SIE vereint sich im Jenseits endlich wieder mit IHM. Der TOD aber tritt mit dem geretteten Kind aus den Flammen und wird von allen als Retter gefeiert und ihre Mitte aufgenommen. So ist es IHR doch gelungen, sich wieder mit ihren Geliebten zu vereinen, das ewige Einerlei des TODes zu durchbrechen und der TOD erfährt zum ersten mal menschliche Nähe der Lebenden.