Die Hochzeit (2012) 

„Glauben Sie ja nicht, dass es mir nur um das Geld ginge!“ Und doch dreht sich fast alles um Geld und Ansehen. Dem gefühlvollen Brautvater Shigalow fällt es schwer, sich in der feinen Gesellschaft zu benehmen. Er kommt aus einfachen Verhältnissen und lebt bescheiden mit seiner Frau Nastassja und seinem letzten noch im Hause lebenden Kind, der Braut des Tages: Daschenka. Deren große Liebe Jatj wurde auch auf ihre Hochzeitsfeierlichkeiten mit ihrem ungewollten, neuen Bräutigam Aplombow eingeladen. Nicht aus Hinterhältigkeit, wie der Hausherr gern verlegen wiederholt, sondern aus Rechtschaffenheit.

Eine Handvoll ebenso illusterer wie hilflos dazu gebetener Gäste soll erleben, wie die Familie durch diese Zwangsheirat, einer Vernunftehe, mit dem Geschäftsmann Aplombow in bessere Kreise aufsteigt.
Sogar ein echter General hat seine Anwesenheit zugesagt, auch wenn dieser mit 25 Rubel gekauft werden musste.

Spannungen zwischen dem ausgebooteten Jatj und dem ihm vorgezogenen Aplombow sind nicht zu vermeiden. In verkrampften Versuchen, eine lockere Cocktailparty Atmosphäre herzustellen, verstricken sich die Gäste untereinander ebenso wie mit den Gastgebern in unterschiedlichste, aber stets ausweglose Situationen. Die Dorf-Diva Smejukina schwirrt um ihren heimlichen Liebhaber Shigalow, und der erbittert um seine Ex-Braut kämpfende Jatj verachtet sie dafür; die aufgesetzt ausländisch wirkende Dymba versucht sehr aufdringlich, Shigalow zu verführen, und zieht sich die Feindschaft der Mätresse Smejukina und der Gattin Nastassja zu. Doch Nastassja hat einen perfiden Plan ausgeheckt: sie will die Hochzeit platzen lassen und ihre Tochter in die Arme des tapferen Jatj treiben. Viele sind eingeweihte Gehilfen, doch alle ziehen in ihre Richtung – teils freiwillig, teils versehentlich. Auch ihre verbindliche Freundin Njunin, die den General bestellt hat, tut ihr Möglichstes. Auf ihre Art…

Die sich stets aufbauenden Spannungen zwischen den Rivalen enden in einer unausweichlichen Schlägerei. Hier opponiert die Brautmutter Nastassja offen gegen die einsame Entscheidung Shiaglows und hält zu Jatj. Doch hat der Kampf dieser beiden Männer hat für Nastassja und ihren Mann Shigalow eine weitreichendere, persönliche Bedeutung bekommen und gewinnt geradezu etwas Versöhnliches: hatten die beiden sich in den vergangenen Jahren auseinander gelebt, so nähern sie sich nun wieder vorsichtig einander an und entdecken, dass ihre tiefe Zuneigung zu einander sie im gemeinsamen Treiben wieder herzlich vereint.

Die Szenerie aus dem spiessigen Heim einer einfachen russischen Angestelltenfamilie zur Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts in die 1960er Jahre gesetzt zeigt die Bemühungen aller, Normalität in einer Form zu suchen, die allen fremd ist; eingesperrt in alte Traditionen und Ritualen, gelingt es niemandem seine Fassade aufrecht zu halten. Ein heiteres und bisweilen wildes Durcheinander ist vorbestimmt.

Wir steigen mitten in die Hochzeitsfeier ein, direkt nach der Trauung während die Gesellschaft langsam vom Sektempfang im Garten ins Haus tröpfelt, um sich zu Tisch zu begeben. Kein Vorspiel, keine Einführung – mitten rein und plötzlich ist Schluss.

Spieler: Désirée Burger, Kerstin Simon, Alina Sandrock, Natali Buda, Christine Rossig, Melanie Emmerich, Daniel Leers, David Miller, David Westermann, Marco Thom
Regie: Daniel Leers

 

 

 

Das Jubiläum, Über die Schädlichkeit des Tabaks, Tragödie wider Willen (2006)

In bester Tradition zeigt das ALI Theater Ensemble die Fortsetzung der erfolgreichen Anton Tschechow Einakter. Die sehr erfolgreichen und beliebten Abende mit „Der Bär“ und „Ein Heiratsantrag“ werden nun gefolgt von einem Abend mit drei neuen Einaktern.
Die Stücke von Anton Tschechow zeigen oft die tragikomische Sicht auf die Banalität des Provinzlebens und die Vergänglichkeit des russischen Kleinadels und Bürgertums. Auch heute wird Tschechow als unübertroffener Meister der Kurzgeschichte betrachtet. Die meisten seiner handelnden Personen sind anständig und sensibel. Sie träumen davon, ihr Leben zu verbessern, meistens vergeblich, wegen des Gefühls der Hilf- und Nutzlosigkeit.
Im ersten Stück, „Über die Schädlichkeit des Tabaks“ zeigt uns der Protagonist fast unfreiwillig aber ebenso zwangsläufig sein enges Korsett, dass ihm das Leben mit seiner Frau, den Töchtern und seiner Arbeit aufgesetzt hat. Getreu dem Motto „wess‘ das Herz voll, dess‘ läuft der Mund über“, redet er sich um Kopf und Kragen.
(Regie Kerstin Simon)
In der daran anschliessenden „Tragödie wider Willen“ sucht der beinahe lebensmüde Ivan Tolkatschow bei seinem Freund Muraschkin Halt und Beistand. In einer unnachahmlich spritzig komödiantischen Weise lässt er uns teilhaben an seinem Leid. Doch wäre das kein echter Tschechow, wenn ihm ein Ausweg aus seiner Misere gelänge.
(Regie Ralph Weber)

Aber erst das dritte Stück des Abends „Das Jubiläum“ führt uns aus einer ruhigen aber gespannten Situtation, in der sich der Held Anderj Andrejitsch sehr bemüht auf seine selbstinszenierte Feierlichkeit zum 15 jährigen Bestehen seiner Bank freut und er sich hierzu der Dienste seines nicht immer pflegeleichten Schreibers Kusma Nikolaijtsch zu versichern versucht, ins absolute Chaos. Denn nicht nur sein Schreiber, auch seine von einem Ausflug heimkehrende Gattin und eine unangemeldete Bittstellerin geben den kommenden Feierlichkeiten einen ganz eigenen Rahmen.
(Regie Ralph Weber)

Der Bär & Ein Heiratsantrag (2005)


Ganz besonders freut uns die Zusammenarbeit mit Alina Wichmann, die das Theaterprogramm musikalisch einrahmen und zusammen mit ihrem Pianisten zu Beginn des Abends und nach der Pause ein kleines Konzert geben wird. Für ihre unkomplizerte Zusage sei hier schon mal Dank.
Wie bereits im Frühsommer des Jahres, so war Alina auch dieses mal sofort mit dabei.
Spieler Désirée Leers, Christine Müller, Kerstin Simon, Thomas Weinmann Daniel Leers