Das Stück basiert auf Kneipengesprächen: In jahrelanger Trink- und Sprachrecherche hat Felicia Zeller Sätze und Dialogfetzen gesammelt, die so oder ähnlich immer wieder fallen, wenn der Alkoholspiegel steigt. Felicia Zeller hat ihr Studium an der Filmakademie Baden-Württemberg mit einer Arbeit über nonlineare Dramaturgie abgeschlossen. Auch „Bier für Frauen“ ist keine jener sich von einem Start- zu einem Zielpunkt hin entwickelnden Geschichten, wie wir sie aus dem Theater kennen. Es besteht vielmehr aus scheinbar zusammenhanglosen Einzelszenen, in denen der Suff das Zepter in der Hand hält.
Die Personen sind nur Zitate und daher austauschbar. Es wird geplappert und doziert, gelallt, gelacht und gelitten. Die Frauen befassen sich mit den klassischen Themen eines bierseligen Abends. Es geht um missglückte One-Night-Stands und um die Frage, ob sie mit Leonard Cohen ins Bett gehen würden. Es geht um das Küssen, um cholerische Kollegen und um die Arbeit, um die prämenstruale Phase und um Horoskope, um den Suff und die Enthaltsamkeit. Die Frauen philosophieren über das Wesen der Gesellschaft und über Penislängen, sie hängen verflossenen Liebschaften nach und träumen von den Metropolen dieser Welt. Kommunikation versandet, echte Gespräche werden zunehmend unmöglich. Manche Themen verebben bereits im Ansatz, andere entfalten sich zu grandioser Sinnlosigkeit. Doch wie so oft in Zellers Stücken liegen Traurigkeit und Lustigkeit nur eine Silbe voneinander entfernt.

Die Autorin: Die 1970 in Stuttgart geborene Felicia Zeller lebt heute in Berlin-Neukölln. Für ihre Theaterstücke erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, zuletzt für ihr jüngstes Werk „X-Freunde“ die Auszeichnung „Stück des Jahres 2013“. Sie schreibt Theatertexte, aber auch Kurzprosa, und arbeitet als Medienkünstlerin.

Die Inszenierung:
Natalie Buda hat in der Ali-Theater-Inszenierung von „Bier für Frauen“ einen Mikrokosmos namens Kneipe geschaffen. Mithilfe unzähliger Bierkästen des Sponsors Rothaus entsteht ein schummriger Schutzraum, in dem ein schelmischer Engel am Piano und ein mephistophelisch-mitfühlender Barkeeper wie die Betreuer von Anstaltsinsassen wirken.
Das Ensemble auf der Bühne fängt die gesamte Stimmungspalette des Rausches ein: von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt, von zärtlich bis aggressiv, von unsicher bis selbstherrlich, von nachdenklich bis aufbrausend, von albern bis weinerlich. Durch die Trost- und Sinnlosigkeit hindurch blitzt immer wieder die absurde Komik des Alltäglichen auf. Wie Seifenblasen steigen Momente der Ironie und der Weisheit auf, nur um im nächsten Augenblick an der Spitze einer weiteren Phrase zu zerplatzen. Die gute Nachricht: Auf der Bühne wird dabei nicht getrunken. Kein Bier. Und auch kein gelbes Wasser. Es wird etwas anderes gemacht. Was, ist egal. Denn das gesamte Stück ist eine Annäherung an das große Egal. Oder? Eine Leinwand im Hintergrund lenkt den Blick des Theaterpublikums auf ebenso poetische wie verräterische Details. Auf die großen Gefühle hinter kleinen Regungen, auf das Verletzliche hinter der Großmäuligkeit, auf die Zartheit hinter der Härte, auf die Gedanken hinter dem Gesagten.

Das Ensemble: Petra – Désirée Burger, Eva – Alina Sandrock, Gisela – Kerstin Simon, Barkeeper – Marco Thom, Pianistin – Lilli Waishar
Maske – Madeleine Härtling, Beleuchtung – Jasmin Schweizer, Regieassistenz – Lara Kuhfeldt
Regie – Natalie Buda

Das Ali-Theater dankt der „Rothaus-Brauerei“, die als Sponsor das „Bier für Frauen“-Bühnenbild möglich gemacht hat.