Die neue Inszenierung des Ali-Ensembles: Die Boulevard-Komödie „Mein Freund Harvey“ von Mary Chase: Mich laust der Hase!

Waldshut-Tiengen. Schon in der vergangenen Spielsaison rückte das Tiengener Ali-Theater-Ensemble mit der schrägen britischen Groteske „Mr. Pilks Madhouse“ den Irrsinn ins Zentrum der Bühne. Mit der Inszenierung der Komödie „Mein Freund Harvey“ nach Mary Chase widmet sich das Ali-Ensemble unter der Regie von Kerstin Simon jetzt erneut den fließenden Grenzen zwischen dem vermeintlich Normalen und dem vermeintlich Verrückten.

Elwood Dowd ist ein freundlicher Mensch. Er ist ohne Arg, ohne Misstrauen, ohne Hintergedanken. Er genießt das Leben und kennt keine Konventionen; er unterhält sich enthusiastisch mit Falschanrufern und lädt jeden gerne auf einen Whiskey in eine seiner zahllosen Stammkneipen ein. Allein das würde ihn schon zum Sonderling machen in einer Gesellschaft, die nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht ist. Elwood aber hat obendrein auch noch einen ungewöhnlichen Freund, 1,80 Meter groß und ganzkörperbehaart: Harvey, ein weißer Hase, den außer Elwood niemand sieht.
Für Elwoods Schwester Veta und ihre Tochter Myrtle Mae ist das Zusammenleben mit Elwood deshalb ein einziges Spießrutenlaufen. Aus Angst vor gesellschaftlicher Ächtung führen sie ein Einsiedlerdasein. Die Einweisung Elwoods in die Psychiatrie erscheint ihnen schließlich als einzige Rettung. Doch Harvey hält offenbar eine schützende Pfote über Elwood. Und so stellt Elwood mit seiner immerwährenden Freundlichkeit und seiner gleichmütigen Logik das Sanatorium auf den Kopf. Oder stellt er die Seelen-Heilanstalt gar endlich vom Kopf auf die Füße? Denn an der Herzensgröße und Liebenswürdigkeit des merkwürdigen Irren offenbart sich das weit gravierendere Irresein der Gesellschaft mit ihren Heucheleien, ihren Hierarchien, ihrer Gnadenlosigkeit. Ein Sanatoriumsmitarbeiter nach dem anderen verfällt dem sonderbaren Zauber von Elwood und Harvey….

Die US-Autorin und Journalistin Mary Chase wollte mit „Mein Freund Harvey“ den im Krieg lebenden Amerikanern 1944 etwas Unbeschwertheit und Lachen in den Alltag zaubern. Ihr gelang eine Boulevardkomödie mit Tiefgang, die riesige Erfolge feierte: Das Stück wurde allein am Broadway 1800 Mal gespielt, 1950 mit James Stewart verfilmt und mit dem „Pulitzer Preis für Theater“ ausgezeichnet.

Darsteller Désirée Burger, Natalie Buda, Yvonne Heizmann, Ulla Ebi, Claudia Agostinelli-Neuhof, Michaela Bruder, Hilde Maraccini, Daniel Leers, Ralph Weber, Andreas Weiss, Gilberto Cammisa, Deniz Özmen

Kulissen: Herbert Herrmann
Maske und Garderobe: Heike Heizmann
Licht- und Tontechnik: Maria-Laura Cervera-Gerard
Musik: Joachim Borgmann
Inszenierung und Regie: Kerstin Simon