Das Stück
Jenen Menschen aus dem mittleren und höheren Mangement, die durch Umstrukturierungen entlassen wurden und sich nun zwecks Schockabfederung und Enttäuschungsverarbeitung in einer Outplacement-Beratung befinden, widmet sich das Theaterstück „Top Dogs“ von Urs Widmer. Sie glaubten an das unbegrenzte Wachstum der freien Marktwirtschaft. Sie saßen sicher im Sattel und herrschten über die da unten – die Underdogs. Doch jetzt müssen sie selbst dran glauben: Massenentlassungen und Arbeitslosigkeit treffen nicht mehr nur Arbeiter und einfache Leute, auch für die „Top Dogs“ sind sie bittere Realität geworden. Sie haben sich nach wie vor gut unter Kontrolle und lassen die Kündigung nicht an sich heran. Sie sprechen lieber von „beruflicher Neuorientierung“ und „Karrierefortsetzung“ als von Arbeitslosigkeit und Stellensuche. Doch die Coolness lässt sich nicht konstant aufrechterhalten. Immer wieder bröckelt die Fassade, werden die Top Dogs von Emotionen übermannt, bricht sich Unsicherheit bahn und gewähren sie den Zuschauern einen vorübergehenden Einblick in ihr Seelen- und Gemütsleben. Doch die Momente schonungsloser Konfrontation mit Verlassenheits- und Vernichtungsängsten währen nur kurz. Schnell wird die Unsicherheit beiseite geschoben und mit Unterstützung der Outplacement-Beraterin Selbstmotivationsparolen eingeübt Die Szenen wechseln mit atemberaubender Geschwindigkeit zwischen Vergangenheitsbewältigung und Verleugnung des Todes, Unsicherheit und einstudiertem Zwangsoptimismus, Gefühlsausbrüchen und zur Schau gestellter Gelassenheit.
„Top Dogs“ ist beides: Boulevard-Komödie und Königsdrama. Es unterhält, ist spannend, stimmt aber auch nachdenklich. Es persifliert die bedrückende Situation entlassener Top-Manager, ohne Klischees zu verfallen oder allzu sehr zu überzeichnen. Es verursacht zahlreiche Lacher – etwa wenn ein Top Dog lernt, eine Selbstbewusstsein und Erfolg ausstrahlende Gangart zu praktizieren –, lässt den Zuschauer aber gleichzeitig mit Beklommenheit begreifen: Die Globalisierung frisst ihre Kinder. Da müssen Manager nicht nur ihre Untergebenen entlassen, sondern am Ende auch sich selbst. „Business, das ist Krieg, Blut und Tränen.

Die Spieler
Holger Ernst, Roland Goldau, Daniel Leers, Barbara Musahl, Christine Müller, Maria Schilz, Ralph Weber, Beate Gläser
Regie & Inszenierung
Nancy Liebig