Als Eugène Ionesco Anfang der 1950er-Jahre seine Debütwerke „Die kahle Sängerin“ und „Die Unterrichtsstunde“ auf die Bühne brachte, waren sie ein Skandal. Aus heutiger Sicht aber mutet die Tragikkomik der beiden Klassiker des absurden Theaters an wie ein gelungener Stilmix aus Loriot und Monty Python: grotesk, monströs, aber immer von einem schwarzen, unterhaltsamen Humor getragen. Also genau der richtige Stoff für das Ali-Theater-Ensemble, das die Stücke unter der Regie von Peter Toifl auf die Bühne bringt. Premiere ist am Freitag, 18. April, um 20 Uhr im Ali-Theater Tiengen.

Alles Konforme und Banale ist ihm ebenso zuwider wie alles Totalitäre: Der rumänisch-französische Dramatiker Eugène Ionesco entlarvt in seinen Dramen die Sinnleere und Gedankenlosigkeit alltäglicher Begegnungen, er demaskiert Pseudowissen und Bildungsgeschwätz, er prangert Machtmissbrauch und Unterdrückung an. Seine ersten beiden Dramen, „Die kahle Sängerin“ und „Die Unterrichtsstunde“, schrieb er als böse Parodien auf das kleinbürgerliche Milieu und das Versagen menschlicher Kommunikation. Das zeitgenössische Theaterpublikum war entsetzt. Denn er stellte darin alles auf den Kopf, was die Theatergänger vom konventionellen realistischen Theater gewöhnt waren. Doch mit diesen Stücken begründete er ganz nebenbei eine neue Theatergattung, das „absurde Theater“.
Seinem Erstlingswerk „Die kahle Sängerin“ verpasste Ionesco den Untertitel „Ein Anti-Stück“. Damit stellte er klar, gegen wen sich diese Parodie in erster Linie wendet: Es sind die von Ionesco verachteten Boulevardkomödien des konventionellen realistischen Theaters, deren Stilmittel er in „Die kahle Sängerin“ bis ins Groteske überspitzt. Gleichzeitig nimmt er damit aber auch das kleinbürgerliche Publikum solcher Salonkomödien aufs Korn.
In seinem zweiten Werk, „Die Unterrichtsstunde“, sehen wir auf der Bühne die pädagogische Vergewaltigung eines Mädchens durch einen alten Professor, der sich immer mehr in einen Autoritätsrausch hineinsteigert. Das zweite Stück aus Ionescos Feder handelt aber nicht von der Schule, sondern von den Möglichkeiten und Grenzen von Kommunikation und Sprache. Doch auch dieses Ionesco-Drama ist vielschichtig und lässt sich auf mehreren Ebenen interpretieren. Zu einem typischen Ionesco-Werk wird es vor allem durch den philosophischen Aspekt, der den sich beständig wiederholenden Sieg des Absurden über die Erkenntnis darstellt.
Auf der Bühne stehen: Hilke Bauder, Natalie Buda, Désirée Leers, David Miller, Francesco Riera, Lilli Waishar.